Der Beginn
Rassestandard

Wie alles Begann

Mehr durch Zufall hatten wir erfahren, dass ein Dalmatinerwelpe aus Schweden nach Deutschland verkauft werden sollte. Da wir bereits vorher eine Dalmatiner-Hündin in der Familie hatten und wieder eine Dalmatiner-Hündin suchten, zeigten wir Interesse. Auch Erkundigungen über die Zuverlässigkeit des Züchters und der Anerkennung der schwedischen Ahnentafeln im VDH holten wir zwischenzeitlich ein. Alle Auskünfte waren optimal, so konnte das Unternehmen "schwedischer Dalmatinerwelpe" starten. Da unsere Züchterin kein Deutsch und Englisch versteht und wir kein schwedisch sprechen, musste eine andere Person übersetzen. Diese fanden wir in unseren Wirtsleuten, bei denen wir in Schweden übernachteten.

Am Samstag, den 24. Februar 1996, ging es dann los. Morgens um 4 Uhr starteten wir Richtung Falkenberg in Schweden. Rund 7 Stunden Fahrzeit hatten wir errechnet. Die Route führte mit zwei Fährverbindungen über Puttgarden, Rødbyhavn, København, Helsingør, Helsingborg, weiter an der Westküste Schwedens bis Sörby, das im Kreis Falkenberg liegt. Nur wenig später wie errechnet kamen wir bei unseren Wirtsleuten an. Diese zeigten uns gleich unser Quartier, das "Sommerhaus".
Der Kanonenofen brachte aber mollige Wärme in die Räume. Dann waren wir auch gleich bei den Wirtsleuten zum Kaffee eingeladen. Hilfsbereit wie unsere Gastgeber waren, boten sie sich an uns zum Züchter zu begleiten. Der erste Telefonkontakt brachte gleich eine Überraschung. Der geplante Abholtermin am Sonntagmorgen konnte nicht eingehalten werden. Am Sonntagnachmittag sollten wir kommen, oder gleich. Sonntagnachmittag war uns für die Rückreise zu spät. Für 'gleich' benötigten wir die Übernachtungserlaubnis für den Welpen, die wir aber prompt bekamen. Also, bitte einsteigen, ....
Einige Siedlungen weiter lag der Hof "Ivarsson". Wie wir später erfuhren, ist Bo Ivarsson für die Ponyzucht auf dem Hof verantwortlich und Solveig Ivarsson für die Hundezucht (Cocker Spaniel und Dalmatiner). Vorsichtig kam man sich näher. Solveig hatte schon alles vorbereitet und führte uns sofort in die Wohnküche, wo Primadonna und zwei andere Hunde schon auf uns warteten. Durch ein aufgestelltes Absperrgitter konnten sie nicht in das Wohnzimmer. War das eine Begrüßung! Aufgeschlossen und neugierig sprang Solbo's Primadonna ihrem zukünftigen Frauchen förmlich in den Schoß. So, als wollte sie ausdrücken: die sind o.k.

Während der Annäherungsphase wurden wir, ohne das wir es bemerkten, von Solveig beobachtet. Sie erklärte uns später, dass wir den Dalmatinerwelpen nicht bekommen hätten, wenn sie keinen guten Eindruck von uns gewonnen hätte. Na, da hatten wir ja noch einmal Glück. Viele Ratschläge und Fütterungshinweise folgten, der Papierkrieg wurde erledigt und dann begann der Rückweg. Primadonna bereitete uns überhaupt keine Probleme. Sie kam bereitwillig mit, - auch das Autofahren machte ihr Spaß. Mittlerweile war es schon fast 21 Uhr. Wir entschieden uns früh schlafen zu gehen. Da im Sommerhaus das Schlafzimmer oben war und dieses keine Tür hatte, entschieden wir uns im Wohnzimmer auf der Schlafcouch zu übernachten. Obwohl unsere Gastgeber Bettwäsche bereitstellten, zogen wir doch unsere Schlafsäcke vor - der Einfachheit halber!

Für Primadonna hatten wir extra noch schnell ein günstiges Kissen aus dem Supermarkt geholt. Aber das war viel zu prall gefüllt und Primadonna kugelte ständig davon runter. Also, noch einige Handtücher zwischen die Schlafsäcke gelegt, dann war ihr Lager fertig. Es war eine schöne Nacht, die nur zweimal zum Gassigehen unterbrochen wurde.
Auch die Rückreise verlief problemlos. Am späten Nachmittag waren wir wieder zu Hause. Unser Dalmatinerwelpe erkundete sein neues Heim und rollte sich gleich bei Herrchen auf dem Arm zu einem Schläferstündchen zusammen.

Die Zucht

Es fing ganz langsam an! Im Dalmatinerverein haben wir Primadonna vorgestellt. Das einhellige Urteil war, tolle Hündin, prima Pigment, sehr gute Fleckverteilung, phantastisches Wesen und ... und ... und. Jeweils, wie man es zu der Entwicklungsphase sagen konnte. Einige Monate später hörten wir dann auch schon mal den Satz: "Habt ihr auch schon einmal an die Zucht gedacht?" - An die Zucht, wir als Züchter? Nein! Diese Frage wurde uns aber immer wieder gestellt. Schließlich beschäftigten wir uns doch noch mit dem Thema. So ganz langsam kam es uns dann nicht mehr so abwegig vor.

Die Namensgebung

Mittlerweile hatten wir soviel über die Rasse Dalmatiner, das Wesen des Hundes, artgerechte Hundehaltung, Zucht und Aufzucht gelesen, dass uns der Kopf fast im wahrsten Sinne des Wortes "rauchte". Man stelle es sich nicht so einfach vor, einen Zwingernamen zu finden, der ansprechend und noch nicht vergeben ist. Wir haben unter folgenden Kriterien gesucht: Verbindung zur Rasse oder zum Wohnort oder Geburtsort (Sörby, Kreis Falkenberg in Schweden) unserer Stammhündin oder zur Geschichte. Genau in diese Namensfindungsphase fiel uns eine Buchbesprechung in die Hände. "Dalmatiner" von Lilly Barmettler. Das Buch musste her. Welch ein Zufall, wenige Tage später hat man es uns geschenkt. Ein sehr gutes Buch, wie wir dann feststellten. Sie erfahren im Prinzip alles über den Dalmatiner, nicht zu fachlich, aber auch nicht zu oberflächlich geschrieben, - eben genau richtig. Sollten Sie es noch nicht kennen, es wäre bestimmt kein Fehlkauf. Auch die Geschichte der Rasse Dalmatiner wird im Buch behandelt. Gänzlich geklärt (wissenschaftlich) ist seine Abstammung immer noch nicht, aber man vermutet einen engen Zusammenhang mit den altägyptischen Pharaonenhunden. In den Königsgräbern in el-Tarif sind auf einer Grabplatte von "Intef II" aus der 11. Dynastie (2000 v. Chr.) diese Hunde aufgezeichnet. -- Und so haben wir unseren Namen gefunden!

Die Vorbereitung zur Zuchtzulassung

Bereits ab dem 6. Lebensmonat haben wir Primadonna in der Jüngstenklasse ausgestellt. Dabei haben wir lange Fahrzeiten vermieden und Ausstellungen in der Nähe "gebucht". Primadonna sollte sich in aller Ruhe auf das besondere Treiben auf diesen Zuchtschauen gewöhnen. Einige Tage vor der Ausstellung haben wir mit Primadonna das Zeigen im Ring geübt. Natürliche Ruhe und niemals die Beherrschung verlieren, das waren für den Vorführer und Primadonna das oberste Gebot! Natürlich hat das bei den ersten Ausstellungen noch nicht so geklappt, denn die anderen Dalmatiner waren für sie ja viel wichtiger! Außerdem hatte Primadonna so immer ihre Probleme mit den langen Wartezeiten außerhalb des Ringes, da wurde es ja sooo langweilig! Und immer nur Spazieren gehen, dass war dann auch nicht mehr die erhoffte Abwechslung. Mit jeder Ausstellung stieg jedoch ihre Lässigkeit. Das andere Flair, die ständig wechselnde Umgebung und immer andere Hunde, das war für sie bald nichts Besonderes mehr. Bald startete man in der Jugendklasse. Die Beurteilungen und die errungenen Formwertnoten der F.C.I. und VDH - Richter bedeuteten hier schon etwas mehr. Ihre Erfolgsserie setzte sich fort. Nachdem alle Richter in der Jüngstenklasse ihr die höchstmögliche Formwertnote "vielversprechend" (VV) gaben, errang sie in der Jugendklasse ebenfalls auf allen Ausstellungen die höchstmögliche Beurteilung und Formwertnote. Primadonna schloss das Jahr 1996 als VDH - Bundesjugendsiegerin 1996 und CDF - Jugendchampionesse 1996 ab. Im Jahr 1997 hatten wir Primadonna für 10 Zuchtschauen in der "Offenen Klasse" gemeldet. Auf allen 10 Zuchtschauen erhielt sie von den Zuchtrichtern die höchstmögliche Formwertnote "vorzüglich" (V). Dabei errang sie 3x den 4. Platz, 4x den 2. Platz und 1x den 1. Platz mit BOB. Die HD - Röntgenuntersuchung erbrachte die Einstufung "C" und der AEP - Test "beidseitig hörend". Somit stand einer Anmeldung zur Zuchtzulassung nichts mehr im Wege. Diese bestand Primadonna ohne weitere Schwierigkeiten mit der Auflage, dass der Deckrüde die HD - Stufe "A" oder "B" haben muss.

Die Zwingerabnahme

Wer verantwortungsbewusst ist und einen Wurf fachgerecht aufziehen möchte, der muss entsprechende Räumlichkeiten haben und Fachkenntnisse nachweisen können. Hieran haben wir während des ganzen Jahres 1997 gearbeitet. Die Räumlichkeiten wurden geplant und hergerichtet. Das artete sogar fast in eine Umgestaltung eines Gartenteils aus. Eine über zehnjährige Hecke wurde teilweise (5 m) entfernt und Rasen gesät. Einige Monate später wurde an dieser Stelle ein Gartenhaus errichtet, - das Welpenhaus! Selbstverständlich immer nach Rücksprache mit der Zuchtleitung, ob diese oder jene Maßnahme sinnvoll sei oder nicht. Im Spätsommer war es dann soweit. Ein Zuchtwart erschien, begutachtete den Stand der Dinge und wie der noch unerledigte Teil noch werden soll. Zwischen Kaffee und Kuchen wurden ernste Themen besprochen. Was heißt hier besprochen? Der Zuchtwart fragte und wir mussten antworten. Puh, waren das Fragen! Wir kamen uns vor, wie in einer Prüfung zum Veterinärmediziner. Am Ende sagte der Zuchtwart, dass wir alle Fragen richtig beantwortet hätten und wünschte uns viel Glück als Dalmatinerzüchter!